Zwischen Burnout-Angst und Motivations-Loch: Die einsamste Entscheidung einer Führungskraft im Stress
- Frank Max
- 9. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Es ist dieser Moment am späten Abend. Das Büro ist leer, die Geräusche des Tages sind verstummt. Nur das Licht der Schreibtischlampe brennt noch. Auf dem Bildschirm: neue KPIs für das kommende Quartal – ambitionierter, enger, kompromissloser.
Und im Hinterkopf? Die Gesichter Ihres Teams beim letzten Meeting. Müde. Skeptisch. Kurz vor dem inneren Rückzug.
Sie stehen dazwischen. Nicht nur offiziell, sondern faktisch. Sie sind die Schnittstelle, der Puffer, die menschliche Schallschutzwand. Die Person, die den Druck von oben so abfedern soll, dass unten noch Motivation ankommt – und die gleichzeitig den Unmut von unten so übersetzt, dass oben niemand die Geduld verliert.
Man nennt das die Sandwich-Position. In der Praxis fühlt sie sich oft an wie psychologische Hochspannung.
1. Die Einsamkeit in der Mitte: Wenn Sie zur „letzten Ressource“ werden
Oben wird an der Strategie-Schraube gedreht, unten wird „Dienst nach Vorschrift“ (Quiet Quitting) gelebt. In der Mitte stehen Sie.
Von oben hören Sie: „Wir brauchen mehr Tempo, mehr Ergebnis.“ Von unten spüren Sie: „So wie bisher geht es nicht mehr.“
Viele Führungskräfte versuchen, diesen Spagat durch pures Aushalten zu lösen. Sie kompensieren Fehlzeiten, sie puffern schlechte Stimmung ab und schlucken ihre eigenen Zweifel herunter. Sie hoffen, dass sich die Lage beruhigt, wenn sie nur fest genug drücken.
Doch genau hier liegt der Denkfehler: Wer sich selbst als Puffer opfert, wird irgendwann zerrieben. Sie werden zur letzten Ressource, die verbraucht wird – und ein Bonus-Modell für psychische Verschleißteile gibt es leider nicht.
2. Die unsichtbare Last: Warum „Emotionsarbeit“ Sie erschöpft und Stress auslöst
Was in Management-Seminaren selten benannt wird, ist die psychologische Schwerstarbeit hinter der Führung:
Sie motivieren, obwohl Sie selbst leer sind.
Sie geben Sicherheit, obwohl Sie innerlich zweifeln.
Sie zeigen Zuversicht, während Sie die Risiken glasklar sehen.
Diese Form der Emotionsarbeit – das ständige Tragen einer Maske, um das System stabil zu halten – ist das, was wirklich ausbrennt. Viele Führungskräfte leiden nicht an der Menge der E-Mails, sondern an der emotionalen Einsamkeit ihrer Rolle. Dem Gefühl, nirgendwo mehr ganz echt sein zu dürfen. Nach oben leistungsstark, nach unten stabil. Und dazwischen? Bleiben Sie auf der Strecke.
3. Die Illusion der Unverwundbarkeit: Wenn der Körper die Notbremse zieht
Gerade erfahrene Führungskräfte haben gelernt, durchzuhalten. Sie haben Karrieren aufgebaut und Krisen gemeistert. Hilfe zu suchen fühlt sich für Sie vielleicht wie ein persönliches Scheitern an.
Deshalb ignorieren viele die Warnsignale, bis der Körper das Kommando übernimmt:
Ihr Schlaf ist nur noch eine Unterbrechung der Grübelphasen.
Gereiztheit ersetzt Ihre Souveränität.
Eine bleierne innere Leere schleicht sich in Ihren Feierabend.
Das ist kein Mangel an Disziplin. Es ist das Zeichen, dass Ihr System die Hochspannung nicht mehr isolieren kann.
4. Der Max-Weg: Warum Abgrenzung kein Verrat ist
Der Ausweg liegt nicht in noch mehr Selbstmanagement-Tools, sondern in einer radikalen Kurskorrektur Ihrer Haltung. Echte Führung bedeutet heute gesunde Abgrenzung.
Zwei Prinzipien sind dabei zentral:
Radikale Transparenz nach oben: Grenzen zu kommunizieren ist keine Klage, sondern eine fachliche Führungsleistung. Wer „unmögliche“ Ziele schweigend annimmt, handelt unverantwortlich gegenüber dem Team und sich selbst.
Echtheit nach unten: Sie müssen nicht jede Angst teilen, aber Ihre Menschlichkeit macht Sie greifbar. Teams folgen keinem Roboter; sie folgen einem Menschen, der Orientierung gibt, ohne sich zu verstellen.
Abgrenzung ist kein Verrat am System – sie ist die einzige Chance, im System zu überleben.
Fazit: Die wichtigste Entscheidung Ihres Tages
Die einsamste Entscheidung einer Führungskraft ist oft diese: Sich selbst wieder ernst zu nehmen. Nicht erst, wenn der Körper streikt. Nicht erst, wenn die Burnout-Angst Sie nachts wachhält. Sondern jetzt.
Denn gute Führung braucht Substanz. Und Substanz entsteht dort, wo Sie aufhören, Stress nur „auszuhalten“, und beginnen, ihn zu gestalten.
Zeit, wieder in Ihre Kraft zu kommenWenn Sie merken, dass Sie den Druck nicht länger allein kompensieren können, ist das kein Versagen – es ist ein Signal zum Handeln. Hier gibt es Sofort-Hilfe:
Herzliche Grüße aus Düsseldorf,
Frank Max | Coach & einfachMACHER



