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Probleme lösen: Wie Sie aus festgefahrenem Denken wieder in Bewegung kommen

  • Autorenbild: Frank Max
    Frank Max
  • 19. Aug. 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Aug.


Eine helle zwischen drei dunklen Glühbirnen

Manche Probleme sind erstaunlich ausdauernd. Man denkt darüber nach, spricht darüber, probiert etwas aus, verwirft es wieder – und landet ein paar Tage später ziemlich genau an der Stelle, an der man angefangen hat. Irgendwann entsteht das unangenehme Gefühl, das Problem inzwischen hervorragend erklären zu können, ohne ihm dadurch auch nur einen Zentimeter näher an die Pelle gerückt zu sein.

Das liegt nicht unbedingt daran, dass Ihnen die richtige Lösung fehlt. Häufig fehlt zunächst etwas anderes: genügend Abstand, um das Problem anders betrachten zu können.


"Wie kann man ein Problem lösen, wenn man sich im Kreis dreht?"


Hilfreich ist es, drei Dinge voneinander zu trennen: Was tatsächlich passiert, welchen Teil davon Sie beeinflussen können und woran Sie erkennen würden, dass sich die Situation verbessert hat. Diese Trennung bringt häufig mehr Bewegung als die nächste ausführliche Ursachenanalyse.



Das Wichtigste in Kürze

1. Situation von Interpretation trennen: Beschreiben Sie zunächst, was tatsächlich passiert ist, ohne Vermutungen, Bewertungen und Befürchtungen mit den Fakten zu vermischen.

2. Den eigenen Einflussbereich klären: Prüfen Sie anschließend, welcher Teil der Situation tatsächlich von Ihnen beeinflusst werden kann – und welcher nicht.

3. Die gewünschte Veränderung benennen: Formulieren Sie nicht nur, was weg soll, sondern woran Sie konkret erkennen würden, dass sich die Situation verbessert hat.

Merksatz: Damit verschwindet ein schwieriges Problem natürlich nicht auf Knopfdruck. Aber aus einem Gedankenknäuel wird wieder etwas, das sich sortieren und bearbeiten lässt.



Warum wir beim Problemlösen so leicht feststecken

Wenn uns etwas wirklich beschäftigt, betrachten wir es nicht wie ein unbeteiligter Beobachter. Wir sind mittendrin.

Ein Konflikt mit einem Kollegen fühlt sich anders an, wenn wir selbst seit Wochen genervt sind. Eine berufliche Entscheidung wirkt größer, wenn gleichzeitig Sorgen um Geld, Sicherheit oder Anerkennung mitschwingen. Und wenn wir uns über eine Situation schon zwanzigmal geärgert haben, fällt es zunehmend schwer, beim einundzwanzigsten Mal noch ganz unvoreingenommen hinzuschauen.

Das ist menschlich. Es erschwert allerdings das Problemlösen.

Denn unser Kopf arbeitet nicht nur mit dem, was passiert. Er arbeitet gleichzeitig mit Erfahrungen, Erwartungen, Befürchtungen und bisherigen Erklärungen. So kann aus der Beobachtung „Mein Chef hat meinen Vorschlag abgelehnt“ ziemlich schnell die Schlussfolgerung „Meine Meinung interessiert hier grundsätzlich niemanden“ werden.

Die erste Aussage beschreibt ein Ereignis. Die zweite bereits eine Interpretation.

Für das eigene Erleben kann sich beides vollkommen gleich wahr anfühlen. Für eine Lösung macht der Unterschied jedoch eine Menge aus.



Probleme lösen beginnt deshalb oft mit Sortieren

Bevor Sie nach einer neuen Lösung suchen, lohnt sich eine unspektakuläre Frage:

"Was weiß ich eigentlich wirklich?"

Nehmen wir an, Sie haben seit Monaten Ärger mit einem Kollegen. Die Zusammenarbeit funktioniert schlecht, Absprachen werden nicht eingehalten und jedes Gespräch endet irgendwann bei der Frage, wer angefangen hat.

Die spontane Problembeschreibung könnte lauten:


„Mit diesem Menschen kann man einfach nicht vernünftig zusammenarbeiten.“


Das fühlt sich plausibel an, hilft aber wenig. Denn damit ist das Problem praktisch so groß wie der gesamte Mensch.

Hilfreicher wäre eine konkretere Beschreibung:


„Wir haben in den vergangenen vier Wochen dreimal unterschiedliche Vorstellungen darüber gehabt, wer einen Arbeitsschritt übernimmt. Zweimal wurde die Abweichung erst kurz vor dem Termin sichtbar.“


Plötzlich haben Sie etwas, woran man arbeiten kann.

Vielleicht fehlen klare Zuständigkeiten. Vielleicht verstehen beide dieselbe Vereinbarung unterschiedlich. Vielleicht gibt es tatsächlich einen persönlichen Konflikt. Das wissen Sie noch nicht.

Aber Sie haben aus einem großen, schwer greifbaren Problem eine Situation gemacht, die sich untersuchen lässt.



Wer Teil des Problems ist, kann nicht Teil der Lösung sein“?

Der Satz klingt einleuchtend und wird deshalb gern zitiert. Ganz richtig ist er trotzdem nicht.

Wenn zwei Kollegen seit Monaten miteinander streiten, wäre es einigermaßen unpraktisch, wenn ausgerechnet diese beiden grundsätzlich nicht an der Lösung beteiligt sein dürften.

Auch bei persönlichen Problemen kommen wir selten darum herum, selbst etwas zu verändern. Wir können uns schließlich nicht dauerhaft durch eine unbeteiligte Ersatzperson vertreten lassen.

Der hilfreiche Gedanke hinter dem Satz ist ein anderer:


"Wer tief in einer Situation steckt, sieht möglicherweise nicht mehr alles, was für die Lösung wichtig wäre."


Dann kann Distanz helfen.


Das kann ein Gespräch mit einer vertrauten Person sein, ein Spaziergang, ein Blatt Papier, auf dem Sie die Situation einmal nüchtern aufschreiben, oder eine professionelle Außenperspektive. Entscheidend ist nicht, dass jemand anderes Ihnen die Lösung liefert. Entscheidend ist, dass Ihre bisherige Sichtweise für einen Moment nicht mehr die einzige im Raum ist.

Genau an diesem Punkt setzt auch lösungsorientiertes Coaching an: Die Aufmerksamkeit richtet sich weniger auf eine immer ausführlichere Beschreibung des Problems und stärker auf gewünschte Veränderungen, bereits funktionierende Ausnahmen und konkrete nächste Schritte. Dieser Ansatz geht unter anderem auf Steve de Shazer und Insoo Kim Berg zurück und wird bis heute in Beratung und Coaching eingesetzt.



Die entscheidende Frage ist nicht immer „Warum?

Wenn etwas schiefläuft, fragen wir gern nach der Ursache.

"Warum passiert mir das? Warum reagiert mein Kollege so? Warum schaffe ich es nicht? Warum ist das Unternehmen so?"

Das kann sinnvoll sein. Manche Probleme lassen sich besser lösen, wenn ihre Ursachen verstanden werden.

Nur besitzt die Warum-Frage eine kleine Tücke: Man kann mit ihr sehr lange beschäftigt sein, ohne dadurch automatisch handlungsfähiger zu werden.

Angenommen, Sie wissen nach längerem Nachdenken ziemlich genau, warum Sie Entscheidungen gern aufschieben. Vielleicht haben frühere Erfahrungen damit zu tun, vielleicht Ihr hoher Anspruch an sich selbst, vielleicht die Angst vor Fehlentscheidungen.

Das kann eine wertvolle Erkenntnis sein. Die Entscheidung ist damit allerdings noch nicht getroffen. Deshalb braucht Problemlösen irgendwann einen Wechsel der Blickrichtung:


"Was soll stattdessen passieren?"


Diese Frage klingt beinahe banal. Sie ist es nicht.

„Ich möchte mich nicht mehr so ärgern“ beschreibt noch kein Ziel.

„Ich möchte beim nächsten Gespräch ruhig benennen können, was ich konkret brauche“ tut es schon eher.

„Ich will nicht mehr ständig über meinen Job nachdenken“ ist verständlich.

„Ich möchte bis Ende des Monats genügend Klarheit haben, um zu entscheiden, ob ich meine Situation aktiv verändern oder zunächst bewusst bleiben will“ gibt dem Denken eine Richtung.

Ein Problem beschreibt einen unerwünschten Zustand. Eine Lösung braucht zumindest eine Vorstellung davon, woran ein besserer Zustand erkennbar wäre.



Drei Fragen, wenn Sie bei einem Problem feststecken

Wenn Sie merken, dass Sie seit einiger Zeit über dasselbe Thema nachdenken und trotzdem nicht weiterkommen, nehmen Sie ein Blatt Papier und beantworten Sie diese drei Fragen:


1. Was ist tatsächlich passiert?

Beschreiben Sie möglichst konkret beobachtbare Ereignisse.

Lassen Sie zunächst weg,

  • was andere Ihrer Meinung nach denken,

  • welche Absichten Sie ihnen zuschreiben,

  • und was daraus möglicherweise irgendwann entstehen könnte.


2. Was davon kann ich beeinflussen?

Vielleicht können Sie nicht bestimmen, wie sich ein anderer Mensch verhält. Sie können aber möglicherweise beeinflussen,

  • was Sie ansprechen,

  • welche Grenze Sie setzen,

  • welche Information Sie einholen,

  • oder welche Entscheidung Sie selbst treffen.


3. Woran würde ich merken, dass es besser wird?

Beschreiben Sie nicht nur die Abwesenheit des Problems.

Fragen Sie sich stattdessen:

„Was wäre im Alltag konkret anders, wenn sich die Situation verbessert hätte?“


Diese drei Fragen lösen nicht jedes Problem. Sie verhindern aber, dass Fakten, Befürchtungen, Vergangenheit und mögliche Zukunftsszenarien gleichzeitig durch den Kopf laufen und dabei jede brauchbare Handlungsoption unter sich begraben.



Wenn Sie schon alles versucht haben

„Ich habe wirklich schon alles versucht“ höre ich in Gesprächen immer wieder.

Meistens stimmt das glücklicherweise nicht.

Es bedeutet eher: Ich habe alles versucht, was mir innerhalb meiner bisherigen Sichtweise eingefallen ist. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Wer beispielsweise einen Konflikt immer wieder durch längere Erklärungen lösen möchte, kann irgendwann zu dem Schluss kommen, dass Reden offensichtlich nichts bringt. Möglicherweise liegt das Problem aber gar nicht darin, dass zu wenig erklärt wurde. Vielleicht müsste eine Erwartung klarer formuliert, eine Entscheidung getroffen oder eine Grenze gezogen werden.

Auch beim Problemlösen gilt deshalb: Mehr vom Gleichen wird nicht automatisch besser, nur weil man sich besonders viel Mühe gibt.

Manchmal braucht es keinen größeren Einsatz, sondern eine andere Frage.



Was funktioniert bereits ein kleines bisschen?

Eine besonders hilfreiche Idee aus der lösungsorientierten Arbeit ist der Blick auf Ausnahmen.

"Wann ist das Problem weniger stark? Wann funktioniert etwas bereits besser? Was tun Sie dann anders? Bei welchem ähnlichen Problem haben Sie früher schon einmal eine brauchbare Lösung gefunden?"

Solche Fragen wirken zunächst weniger spektakulär als eine umfassende Problemanalyse. Sie haben aber einen praktischen Vorteil: Sie suchen nach etwas, das bereits vorhanden ist.

Wenn die Zusammenarbeit mit einem Kollegen beispielsweise nicht immer schwierig ist, lohnt sich die Frage, was in den besseren Situationen anders läuft. Vielleicht sind Absprachen dort konkreter. Vielleicht sprechen Sie direkt miteinander, statt über E-Mail-Schleifen. Vielleicht ist schlicht klarer, wer entscheiden darf.

Die Lösung muss dann nicht vollkommen neu erfunden werden. Manchmal liegt ein Teil davon bereits herum und wurde bisher nur nicht als solcher erkannt.



Der Blick von außen kann helfen – er muss Ihnen die Lösung aber nicht abnehmen

Eine Außenperspektive ist besonders dann hilfreich, wenn Sie merken, dass Sie dieselben Gedanken immer wieder drehen.

Ein guter Gesprächspartner sagt Ihnen dabei nicht zwingend, was Sie tun sollen.

Er hilft Ihnen eher dabei, sauberer zu unterscheiden: "Was ist Fakt? Was ist Interpretation? Wo haben Sie Einfluss? Welche Möglichkeiten haben Sie bisher übersehen? Und was wäre ein nächster Schritt, den Sie tatsächlich umsetzen können?" Das ist ein großer Unterschied.

Denn eine Lösung, die von außen beeindruckend klingt, aber nicht zu Ihnen, Ihrer Situation oder Ihren Möglichkeiten passt, bleibt am Ende nur ein gut gemeinter Vorschlag.

Das Ziel sollte deshalb nicht sein, Verantwortung abzugeben. Es geht darum, den eigenen Blick wieder weit genug zu bekommen, um Verantwortung sinnvoll übernehmen zu können.



Wenn Sie bei einem Problem allein nicht weiterkommen

Manche Probleme lösen sich durch einen neuen Gedanken. Andere brauchen eine Entscheidung, ein schwieriges Gespräch oder mehrere Schritte. Und manchmal merkt man irgendwann, dass man zwar sehr viel über die Situation nachgedacht hat, aber dadurch nicht klarer geworden ist.

Dann kann eine neutrale Außenperspektive sinnvoll sein.

In meinem Coaching geht es nicht darum, Ihnen möglichst schnell einen klugen Rat mitzugeben. Wir sortieren gemeinsam, was tatsächlich los ist, unterscheiden Wichtiges von Lautem und entwickeln einen nächsten Schritt, der zu Ihrer Situation passt.

Die Gespräche sind persönlich in Düsseldorf oder online möglich.



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Fazit: Eine bessere Lösung beginnt oft mit einer besseren Sicht auf das Problem

Probleme lösen bedeutet nicht, unangenehme Situationen möglichst schnell positiv umzudeuten. Manchmal ist ein Problem tatsächlich schwierig, ein Konflikt tatsächlich belastend und eine Entscheidung tatsächlich unbequem.

Handlungsfähiger werden wir trotzdem meist erst, wenn wir sauberer unterscheiden können, was gerade wirklich passiert, welchen Teil wir beeinflussen können und wohin wir eigentlich wollen.

Wenn Sie an einem Problem feststecken, müssen Sie deshalb nicht sofort härter nachdenken.


Vielleicht lohnt zunächst eine andere Frage:


"Was müsste ich anders sehen, damit ich etwas anderes tun kann?"


Herzliche Grüße aus Düsseldorf

Frank MaxCoach · Autor · Supervisor


Über den Autor

Frank Max arbeitet seit 2006 als Coach mit Menschen in beruflichen und persönlichen Veränderungs-, Belastungs- und Entscheidungssituationen. Zuvor war er viele Jahre selbst als Fach- und Führungskraft in der Wirtschaft tätig. Seine Arbeit verbindet klare Einordnung, eine pragmatische Außenperspektive und konkrete nächste Schritte. Gespräche sind persönlich in Düsseldorf oder online möglich.


Quellen

Sozial.de: „Die Wunderfrage – Eine wirksame Methode zur Lösungsfindung in der Beratung und im Coaching“. Hintergrund zum lösungsfokussierten Ansatz nach Steve de Shazer.

Haufe: „Lösungsorientiertes Coaching“. Überblick über lösungsorientierte Fragen, Ausnahmen und den Blick auf eine gewünschte Zukunft.

Zentrum für interdisziplinäres Coaching: „Der Dreh zur Lösung – Was lösungsfokussierte Beratung wirklich ausmacht“. Einordnung des lösungsfokussierten Beratungsansatzes.

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