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Meine Rolle ist unklar: So bereiten Sie ein Klärungsgespräch mit Ihrem Chef vor

Autorenbild: Frank Max
Frank Max
vor 6 Tagen
7 Min. Lesezeit
Mitarbeiter bereitet mit handschriftlichen Notizen ein Klärungsgespräch vor.

Sie sollen Verantwortung übernehmen, erfahren von Entscheidungen aber erst im Nachhinein. Ein Projekt wurde Ihnen entzogen, neue Aufgaben kommen trotzdem dazu. Oder nach einer Reorganisation weiß offenbar jeder ungefähr, wie es weitergeht – nur für Ihre eigene Rolle bleibt es erstaunlich unkonkret.


Sie möchten das ansprechen. Sobald Sie überlegen, was Sie sagen könnten, wird aus dem Gespräch jedoch eine gedankliche Generalprobe für sämtliche Konflikte der vergangenen Monate. Dieser Beitrag hilft Ihnen, ein Klärungsgespräch mit Ihrem Chef so vorzubereiten, dass aus dem vielen Stoff eine überschaubare Aufgabe wird: Sie wollen genauer wissen, welchen Auftrag Sie haben und was dafür geklärt werden muss.


Wenn Sie es eilig haben

  • Wählen Sie ein erreichbares Gesprächsziel: beispielsweise die Zuständigkeit für ein Projekt oder die Prioritäten der kommenden Wochen.

  • Bereiten Sie auf einer Seite wenige konkrete Beobachtungen, deren Folgen für Ihre Arbeit und die wichtigsten offenen Fragen vor.

  • Fragen Sie bei allgemeinen Antworten nach Aufgaben, Entscheidungsbefugnissen und einem Zeitpunkt für offene Entscheidungen.

  • Halten Sie anschließend fest, was vereinbart wurde und was offenbleibt. Gute Vorbereitung erhöht Ihre eigene Klarheit; sie garantiert keine Kooperationsbereitschaft Ihres Gegenübers.eigenen Inhalte.

Beginnen Sie mit dem Ergebnis des Gesprächs

Schreiben Sie zunächst nur diesen Satz zu Ende: „Nach dem Gespräch möchte ich wissen, …“ Eine brauchbare Ergänzung wäre: „… ob ich Projekt A weiterhin verantworte und welche Entscheidungen ich dabei selbst treffen darf.“

Ich will endlich respektiert werden“ beschreibt dagegen ein verständliches Bedürfnis, aber noch kein überprüfbares Gesprächsergebnis. Übersetzen Sie es in die Zusammenarbeit: "Benötigen Sie die Einladung zu einer bestimmten Abstimmung? Eine eindeutige Priorität? Eine Rückmeldung, bevor Aufgaben neu verteilt werden?"

Begrenzen Sie das erste Gespräch auf den Punkt, der Ihre Arbeit derzeit am stärksten blockiert. Das schafft eine überschaubare Vorbereitung. Es bedeutet nicht, dass alle anderen Probleme unwichtig sind oder für immer unter den Tisch fallen müssen.



Worum es bei Rollenklärung tatsächlich geht

Eine klare Rolle beantwortet praktische Fragen: "Für welches Ergebnis sind Sie zuständig? Welche Entscheidungen dürfen Sie treffen? Welche Informationen und Mittel stehen Ihnen dafür zur Verfügung? Wer entscheidet, wenn Anforderungen kollidieren?"

Fehlen diese Antworten, kann es passieren, dass Sie für ein Ergebnis geradestehen sollen, dessen Voraussetzungen Sie nicht beeinflussen können. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nennt fehlende Angaben zu Aufgaben, Zuständigkeiten und Zielen sowie widersprüchliche Anforderungen als mögliche Gefährdungsfaktoren der Arbeitsorganisation. Es ist daher sachlich begründet, solche Punkte anzusprechen. Quelle: BAuA, Arbeitsorganisation

Nicht jede Unklarheit lässt sich sofort auflösen. Bei einem Umbau können Entscheidungen noch ausstehen. Auch dann lässt sich klären, wie bis dahin gearbeitet wird und wer die offenen Punkte bis wann beantwortet.



Bereiten Sie eine Seite mit fünf Feldern vor

Die folgende Gesprächsnotiz ist eine praktische Arbeitshilfe. Sie können sie auf Papier oder in einer Notizdatei ausfüllen. Sie brauchen dafür weder einen Vortrag noch ein Dossier über die gesamte Unternehmensgeschichte. Die Seite soll Ihnen im Gespräch Orientierung geben.


1. Mein Klärungsziel

Formulieren Sie das Ergebnis, das Sie benötigen. Zum Beispiel: „Ich möchte klären, ob die Projektkoordination noch zu meinem Auftrag gehört und welche Verantwortung damit verbunden ist.“ Prüfen Sie, ob Ihr Gegenüber diese Frage beantworten kann. Falls eine andere Person entscheiden muss, wird die Zuständigkeit selbst zum Gesprächspunkt.


2. Meine konkreten Beobachtungen

Notieren Sie zwei oder drei Vorgänge mit Zeitraum und Inhalt. „Bei den letzten beiden Projektabstimmungen war ich nicht eingeladen“ ist genauer als „Ich werde ständig ausgeschlossen“. Schreiben Sie nur auf, was Sie selbst nachvollziehen können. Vermutete Motive und Gerüchte helfen bei diesem Einstieg wenig.

Wenn Sie sich noch unsicher sind, welche Veränderungen zusammen ein Warnzeichen ergeben, finden Sie eine erste Einordnung im Artikel

Für die Gesprächsnotiz wählen Sie daraus ausschließlich die Vorgänge, die Ihre aktuelle Frage betreffen.


3. Die Folgen für meine Arbeit

Beschreiben Sie die praktische Auswirkung. „Mir fehlen dadurch die Angaben für die Terminplanung“ macht verständlich, warum die Information benötigt wird. Sie müssen Ihre Belastung nicht verschweigen. Für die Rollenklärung ist jedoch besonders hilfreich, den Zusammenhang zwischen Veränderung und Arbeitsauftrag sichtbar zu machen.


4. Meine wichtigsten Fragen

Wählen Sie höchstens drei Fragen aus, die zu Ihrem Ziel passen. Etwa: „Welche Aufgaben liegen weiterhin bei mir?“, „Welche Entscheidungen darf ich eigenständig treffen?“ und „Wer klärt offene Prioritäten?“ Eine kurze Frage lässt sich leichter beantworten als eine lange Rede, in der fünf Vorwürfe und drei Wünsche mitreisen.


5. Mein Vorschlag für die Vereinbarung

Überlegen Sie, was als nächster Schritt realistisch wäre. Das könnte eine schriftliche Aufgabenübersicht, die Teilnahme an einer Abstimmung oder ein Folgetermin nach einer noch ausstehenden Entscheidung sein. Ihr Vorschlag ist eine Gesprächsgrundlage. Die Vereinbarung entsteht erst gemeinsam.


Die fünf Felder als Übersicht

Hier ein kleiner pdf-Leitfaden für Ihre Gesprächsvorbereitung:



So kann eine ausgefüllte Vorbereitung aussehen

Das folgende Beispiel ist erfunden. Ein Projektkoordinator soll weiterhin den Zeitplan pflegen, wird aber nicht mehr zu Besprechungen eingeladen, in denen Termine geändert werden. Auf seiner Seite steht:


  • Klärungsziel: Ich möchte wissen, ob ich den Zeitplan weiterhin verbindlich verantworten soll.

  • Beobachtungen: Die letzten beiden Abstimmungen fanden ohne mich statt. Von zwei geänderten Terminen habe ich jeweils erst am Folgetag erfahren.

  • Arbeitsfolge: Ich kann den Plan aktuell nur mit Verzögerung aktualisieren und Abweichungen nicht rechtzeitig ansprechen.

  • Fragen: Bleibt die Terminplanung bei mir? Wie erhalte ich Änderungen rechtzeitig? Wer entscheidet bei Terminkonflikten?

  • Vorschlag: Bis zur endgültigen Aufgabenverteilung nehme ich wieder an der Abstimmung teil. Wir prüfen die Regelung in zwei Wochen.


Damit ist der Konflikt nicht gelöst. Aber der Gesprächspartner kann erkennen, welche Entscheidung gebraucht wird. Der Koordinator muss weder die Absicht seines Chefs erraten noch seine gesamte berufliche Berechtigung verteidigen.



Vereinbaren Sie einen passenden Rahmen

Bitten Sie um einen Termin mit einem klaren Anlass. Beispielsweise: „Ich möchte mit Ihnen meine Zuständigkeit für die Projektkoordination und die dafür nötigen Informationen klären. Können wir dafür diese Woche etwa 30 Minuten einplanen?

So muss das Gespräch nicht zwischen Tür und Kaffeemaschine stattfinden. Falls der Termin anders geplant werden muss, bleibt zumindest der Zweck benannt. Prüfen Sie vorher, ob Sie Unterlagen benötigen und ob das direkte Gespräch in Ihrer konkreten Situation sinnvoll und sicher erscheint. Bei Drohungen, wiederholten persönlichen Angriffen oder bereits formalen Schritten kann vorherige Unterstützung der passendere erste Schritt sein.



Ein Einstieg mit konkreter Frage

Für das Beispiel könnte der Beginn so lauten: „Ich möchte klären, welchen Auftrag ich in der Projektkoordination aktuell habe. An den letzten beiden Terminabstimmungen habe ich nicht teilgenommen. Gleichzeitig soll ich den Zeitplan weiterhin aktuell halten. Dafür fehlen mir Informationen. Bleibt diese Verantwortung bei mir, und wie organisieren wir dann den Informationsfluss?

Danach lassen Sie Ihr Gegenüber antworten. Sie brauchen die Pause nicht sofort mit weiteren Belegen zu füllen. Wenn eine Erklärung kommt, prüfen Sie zunächst, ob sie Ihre Frage beantwortet. Eine überraschende Antwort kann unangenehm sein und trotzdem mehr Orientierung bieten als freundliche Unbestimmtheit.



Wenn die Antwort ausweichend oder kritisch wird


Wenn es heißt, Sie sollten sich keine Sorgen machen

Nehmen Sie die Beruhigung zur Kenntnis und führen Sie zur Aufgabe zurück: „Danke. Für die Planung brauche ich trotzdem die konkrete Klärung: Bleibt die Verantwortung für den Zeitplan bei mir?“ Sie müssen nicht darüber streiten, ob Sie sich zu viele Sorgen machen, um eine Arbeitsfrage beantworten zu lassen.


Wenn die Entscheidung noch offen ist

Fragen Sie nach einer vorläufigen Regelung: „Wie soll ich bis zur Entscheidung mit Terminänderungen umgehen, und wann können wir die Zuständigkeit verbindlich klären?“ Falls auch kein Datum zugesagt werden kann, fragen Sie, wer die Entscheidung vorbereitet und wann Sie den Stand erneut besprechen.


Wenn plötzlich Ihre Leistung kritisiert wird

Hören Sie sich den konkreten Punkt an. Eine hilfreiche Rückfrage wäre: „Welches Ergebnis entsprach nicht Ihrer Erwartung, und was soll künftig anders aussehen?“ Halten Sie berechtigte Kritik und die Rollenklärung nebeneinander fest. Eine Rückmeldung zu Ihrer Arbeit beantwortet noch nicht automatisch, welche Informationen und Befugnisse Sie für den Auftrag benötigen.


Wenn das Gespräch persönlich abwertend wird

Sie dürfen eine Grenze benennen: „Ich möchte die Aufgabenklärung sachlich weiterführen. In diesem Ton gelingt mir das gerade nicht. Ich schlage vor, dass wir das Gespräch unterbrechen und einen geeigneten Rahmen für die Fortsetzung vereinbaren.“ Das ist ein möglicher Satz, keine Garantie für eine gute Reaktion. Welche Unterstützung anschließend sinnvoll ist, hängt von Ihrer Situation und den vorhandenen Ansprechstellen ab.


Beenden Sie das Gespräch mit einer Zusammenfassung

Fassen Sie zusammen, was Sie verstanden haben: „Ich halte fest: Die Terminplanung bleibt vorerst bei mir, ich erhalte die Änderungen über die Projektabstimmung, und die endgültige Rollenverteilung besprechen wir am 8. Oktober. Habe ich das richtig verstanden?“ Verwenden Sie selbstverständlich die tatsächlich besprochenen Aufgaben und Termine.

Notieren Sie danach Vereinbarungen und offene Fragen getrennt. Eine kurze sachliche E-Mail kann helfen, Ihr Verständnis transparent zu machen. Formulieren Sie darin keine Zustimmung, die es im Gespräch nicht gegeben hat. Wenn Sie eine Bestätigung brauchen, bitten Sie ausdrücklich darum.

Bleibt die Rollenklärung trotz Nachfragen offen, ist das ebenfalls ein Ergebnis: Sie wissen nun genauer, welche Voraussetzungen weiterhin fehlen. Daraus kann sich ein weiterer Klärungsschritt mit einer zuständigen Stelle ergeben. Endlose Wiederholungen desselben Gesprächs müssen daraus nicht werden.



Wenn Sie schon bei der Vorbereitung feststecken

Vielleicht lässt sich Ihre Situation nicht auf eine Seite bringen, weil zu viele Dinge gleichzeitig passiert sind. Oder Sie wissen nicht, welche Frage Sie zuerst stellen können, ohne Ihre Lage weiter zu verschärfen. Genau dann kann das Anker-Gespräch helfen, den nächsten Schritt passend zu Ihrer Situation auszuwählen.

Wir sortieren Ihre berufliche Lage, klären offene Fragen und mögliche Stopplinien und entwickeln einen überschaubaren nächsten Schritt. Dabei kann sich auch zeigen, dass vor einem Gespräch zunächst andere Unterstützung sinnvoll ist. Sie müssen die Vorbereitung nicht erst perfekt hinbekommen, bevor Sie sich Unterstützung holen.




Häufige Fragen zum Klärungsgespräch

Darf ich meine Notizen im Gespräch benutzen?

Sie können Ihre Vorbereitung offen hinlegen und sagen, dass Sie die wichtigen Punkte gern vollständig ansprechen möchten. Notieren Sie vor allem Antworten und Vereinbarungen. Sie müssen Ihren Text nicht auswendig vortragen.

Benennen Sie schriftlich die konkrete Arbeitsfrage und welche Aufgabe ohne Klärung blockiert bleibt. Fragen Sie nach einem Termin oder einer zuständigen Ansprechperson. Wenn wiederholt keine Klärung möglich ist, prüfen Sie passende interne oder externe Unterstützung für das weitere Vorgehen.

Dann reicht eine allgemeine Gesprächsvorbereitung nicht aus. Lassen Sie die konkrete rechtliche Situation zeitnah fachkundig prüfen. Dieser Leitfaden enthält keine rechtliche Bewertung und ist keine Anleitung für Vertragsverhandlungen.


Herzliche Grüße aus Düsseldorf

Frank Max | Coach für einen klaren Kopf


Über den Autor

Frank Max arbeitet seit 2006 als Coach und ist seit 2010 Heilpraktiker für Psychotherapie. Er begleitet Menschen in schwierigen beruflichen Situationen dabei, ihre Lage zu sortieren und realistische nächste Schritte zu entwickeln. Dabei verbindet er psychologische Erfahrung mit einem pragmatischen Blick auf Kommunikation und Handlungsfähigkeit.


Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung. Er ersetzt keine individuelle arbeitsrechtliche, psychologische, psychotherapeutische oder medizinische Beratung beziehungsweise Behandlung. Bei formalen arbeitsrechtlichen Maßnahmen sowie bei starker oder anhaltender psychischer Belastung wenden Sie sich bitte an entsprechend qualifizierte Fachpersonen.


Quellen und weiterführende Grundlagen

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Handbuch Gefährdungsbeurteilung – Arbeitsorganisation. Grundlage für die Einordnung von Rollenunklarheit und widersprüchlichen Anforderungen. Die Gesprächsstruktur, Beispielsätze und die erfundene Fallsituation sind praktische redaktionelle Arbeitshilfen; die Quelle belegt keine Erfolgsgarantie für diese Gesprächsführung.

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