top of page

Wenn Sie sich im Job unerwünscht fühlen und warum Sie plötzlich an sich selbst zweifeln

Autorenbild: Frank Max
Frank Max
vor 5 Tagen
7 Min. Lesezeit
Nachdenkliche Mitarbeiterin am Schreibtisch, während Kollegen hinter einer Glaswand eine Besprechung abhalten.

Früher haben Sie eine E-Mail geschrieben und abgeschickt. Heute lesen Sie dieselben sechs Zeilen zum vierten Mal: "Könnte der Ton falsch ankommen? Wirkt die Rückfrage unsicher? Liefern Sie damit womöglich den nächsten Anlass für Kritik?" Seit sich an Ihrem Arbeitsplatz etwas verändert hat, überprüfen Sie zunehmend auch sich selbst.


Vielleicht werden Sie seltener einbezogen. Vielleicht verliert Ihre Rolle an Bedeutung oder Ihr Vorgesetzter bleibt auffällig vage. Aus der Frage „Was passiert hier gerade?“ wird dann leicht eine andere: „Bin ich vielleicht einfach nicht mehr gut genug?“ Dieser Artikel hilft Ihnen, diese beiden Fragen wieder auseinanderzuhalten und mit Selbstzweifeln im Job umzugehen, ohne reale Probleme schönzureden.


Wenn Sie es eilig haben:

  • Wenn Sie sich am Arbeitsplatz unerwünscht fühlen, kann das Ihr Selbstvertrauen erschüttern. Die Stärke dieses Gefühls beweist jedoch weder eigenes Versagen noch eine gezielte Absicht Ihres Arbeitgebers.

  • Ihre aktuelle Rolle, die Qualität einer konkreten Leistung und Ihr Wert als Mensch sind verschiedene Dinge. Unter Druck können sie im eigenen Urteil ineinanderrutschen.

  • Prüfen Sie einen Selbstvorwurf auf seinen konkreten Gegenstand: Welche Aufgabe, welches Ergebnis oder welche Erwartung ist tatsächlich gemeint?

  • Wenn die Situation zunehmend Schlaf, Alltag oder Gesundheit beeinträchtigt, gehört passende fachliche Unterstützung dazu. Sie müssen nicht erst völlig erschöpft sein.Dies ist ein Platzhalter-Textabschnitt. Ersetze diesen Text durch deine eigenen Inhalte.


Ein erster Schritt gegen das pauschale Selbsturteil

Nehmen Sie den Satz, mit dem Sie sich gerade am stärksten abwerten. Vielleicht lautet er: „Ich bin offenbar überflüssig.“ Ergänzen Sie ihn um das, worauf er sich tatsächlich bezieht: „In meiner derzeitigen Rolle wird meine Erfahrung gerade weniger genutzt, und ich weiß noch nicht, warum.

Der zweite Satz klingt weniger endgültig. Er benennt ein ernstes Problem, lässt aber Raum für Fragen und Veränderungen. Bei „Ich bin überflüssig“ steht Ihre ganze Person vor Gericht. Bei einer unklaren Rolle können Sie dagegen prüfen, welche Aufgaben fehlen, welche Erwartungen gelten und welche Möglichkeiten Ihnen bleiben.

Sie müssen sich die präzisere Formulierung nicht sofort glauben. Es genügt zunächst, sie neben den ersten Gedanken zu stellen. Ein Selbstvorwurf wird durch seine Lautstärke nicht genauer.



Warum berufliche Verunsicherung so persönlich werden kann

Arbeit bedeutet für viele Menschen weit mehr als Einkommen. Dort erleben sie, dass ihre Erfahrung gebraucht wird, dass andere auf sie zählen und dass sie etwas beitragen können. Wenn vertraute Aufgaben oder Kontakte wegbrechen, kann deshalb zugleich ein wichtiger Teil der täglichen Bestätigung fehlen.


Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit von Li, Xu und Kwan aus dem Jahr 2021 untersuchte 95 unabhängige Stichproben. Wahrgenommene Ausgrenzung am Arbeitsplatz hing unter anderem mit geringerem Zugehörigkeitsgefühl, emotionaler Erschöpfung und einem schwächeren Selbstwertgefühl als Mitglied der Organisation zusammen. Solche Zusammenhänge erklären keine einzelne Situation und beweisen keine Absicht. Sie machen jedoch verständlich, weshalb sich berufliche Ausgrenzung persönlich so einschneidend anfühlen kann. Quelle: Li, Xu und Kwan


Vielleicht trifft Sie gerade deshalb besonders, was früher nur ärgerlich gewesen wäre. Ein übergangener Vorschlag steht dann innerlich für mehr als diese eine Besprechung. Er scheint zu bestätigen, dass Ihre Meinung insgesamt nicht mehr zählt. Ob diese Schlussfolgerung trägt, muss erst geprüft werden.



Wenn die unklare Rolle zum Urteil über die eigene Person wird

Für die Einordnung hilft eine Unterscheidung zwischen Rolle, Leistung und Person. Ihre Rolle beschreibt, welchen Auftrag Sie in einer Organisation haben und welche Entscheidungen Sie treffen dürfen. Ihre Leistung betrifft das, was Sie unter bestimmten Bedingungen tatsächlich erreichen. Ihre Person umfasst weit mehr als beides.

Eine Rolle kann durch eine Reorganisation kleiner werden, obwohl jemand fachlich erfahren ist. Eine Leistung kann hinter Erwartungen zurückbleiben, weil Fähigkeiten fehlen, weil die Aufgabe unklar war oder weil Informationen und Mittel nicht verfügbar waren. Manchmal kommen mehrere Gründe zusammen. Keiner davon lässt sich sinnvoll mit dem pauschalen Satz „Mit mir stimmt etwas nicht“ bearbeiten.


Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nennt fehlende Informationen über Aufgaben, Zuständigkeiten und Ziele sowie widersprüchliche Anforderungen als mögliche Gefährdungsfaktoren der Arbeitsorganisation. Unklarheit ist damit auch eine Frage der Arbeitsbedingungen. Sie lässt sich nicht vollständig dadurch lösen, dass Beschäftigte sich mehr anstrengen. Quelle: BAuA, Arbeitsorganisation

Prüfen Sie deshalb möglichst genau: "Wird gerade meine Aufgabe verändert? Gibt es konkrete Kritik an einem Ergebnis? Oder mache ich aus fehlender Rückmeldung ein Urteil über meine gesamte Kompetenz?" Diese Fragen können nebeneinander stehen, ohne dass Sie heute schon eine abschließende Antwort haben.



Warum noch mehr Einsatz die Unsicherheit manchmal nicht klärt

Ein naheliegender Versuch lautet: „Dann muss ich eben zeigen, was ich kann.“ Sie übernehmen zusätzlich etwas, sind schneller erreichbar und bereiten alles noch gründlicher vor. Das kann bei einer klar benannten Aufgabe sinnvoll sein. Wenn aber niemand sagt, welche Rolle künftig gebraucht wird, arbeiten Sie möglicherweise an einer Frage vorbei, die nur Ihr Arbeitgeber beantworten kann.


Ähnlich ist es mit wiederholter Rückversicherung. „War das so in Ordnung?“ verschafft vielleicht kurz Erleichterung. Bleibt der Maßstab unklar, beginnt die Suche nach Bestätigung beim nächsten Vorgang erneut. Der innere Qualitätsprüfer hat dann eine Vollzeitstelle, aber leider keine Stellenbeschreibung.


Bevor Sie den Einsatz erhöhen, fragen Sie daher: "Welches konkrete Ergebnis soll sich dadurch verbessern? Wer hat diese Erwartung ausgesprochen? Woran wäre erkennbar, dass die Aufgabe erfüllt ist?" Wenn darauf keine Antwort möglich ist, könnte zunächst Klärung hilfreicher sein als eine weitere Überstunde.



Ein Beispiel für eine faire Einordnung

Nehmen wir eine erfundene Situation: Eine erfahrene Sachbearbeiterin wird nach einem Führungswechsel seltener in Abstimmungen einbezogen. Zugleich erhält sie Rückfragen zu Vorgängen, die früher ohne Diskussion durchgingen. Sie beginnt zu denken: „Vielleicht habe ich jahrelang überschätzt, wie gut ich bin.


Bei genauerem Hinsehen entstehen zwei getrennte Themen. Tatsächlich hat sie eine neue Dokumentationsanforderung noch nicht vollständig umgesetzt. Das kann sie nachholen. Zugleich ist ungeklärt, warum Informationen inzwischen an ihr vorbeigehen und welche Entscheidungen sie noch eigenständig treffen soll.


Ihre erste Selbstbewertung hatte beides zu einer einzigen Anklage zusammengezogen. Die genauere Betrachtung ergibt dagegen eine bearbeitbare Aufgabe und eine offene Führungsfrage. Sie muss weder jede Kritik zurückweisen noch die ganze Verantwortung für eine unübersichtliche Zusammenarbeit übernehmen.


Ihr hilfreicher Satz könnte lauten: „Die neue Dokumentation muss ich lernen. Gleichzeitig brauche ich verbindliche Informationen über meine Zuständigkeit.“ Das klingt weniger spektakulär als „Ich kann meinen Beruf nicht mehr“. Dafür lässt sich damit etwas anfangen.



Wie Sie wieder einen faireren Maßstab finden

Bleiben Sie bei demselben Hebel: Machen Sie aus einem Gesamturteil eine konkrete Aussage. Dafür brauchen Sie keine tägliche Selbstbewusstseinsprüfung und keine Sammlung von zwanzig positiven Eigenschaften. Nehmen Sie eine aktuelle Situation, bei der Sie ins Zweifeln geraten, und fragen Sie sich, was Sie wirklich beurteilen können.

Bei „Ich mache nur noch Fehler“ wäre beispielsweise zu prüfen, welche Fehler gemeint sind, wie häufig sie vorkommen und welche Folgen sie haben. Bei „Niemand braucht mich“ geht es darum, wer Sie bei welcher Aufgabe nicht mehr einbezieht. Bei „Ich bin zu empfindlich“ hilft die Frage, welches konkrete Verhalten Sie belastet und was Sie für eine arbeitsfähige Zusammenarbeit benötigen.


Ein fairer Maßstab enthält auch unangenehme Tatsachen. Vielleicht müssen Sie sich tatsächlich in ein neues Verfahren einarbeiten oder haben in einem Gespräch scharf reagiert. Das dürfen Sie korrigieren. Die Verantwortung für diesen Anteil verpflichtet Sie nicht dazu, sämtliche anderen Probleme ebenfalls bei sich abzuladen.


Wenn Sie allein immer wieder beim selben Urteil landen, kann ein Gespräch mit einer Person außerhalb der unmittelbaren Konfliktsituation helfen. Bitten Sie um eine genaue Rückmeldung: „Wo siehst du meinen Anteil, und welche Fragen kann ich ohne meinen Arbeitgeber gar nicht beantworten?“ Hilfreicher als pauschales Aufmuntern ist ein Gegenüber, das sowohl Ihre Fähigkeiten als auch Ihre blinden Flecken ernst nimmt.



Sich selbst ernst nehmen und die äußere Lage prüfen

Diese Einordnung soll Sie nicht dazu bringen, schlechte Behandlung besser auszuhalten. Wenn Aufgaben entzogen werden, Informationen fehlen oder Sie unter Druck gesetzt werden, bleiben das relevante Vorgänge. Die Arbeit am eigenen Selbsturteil ersetzt keine Klärung der Arbeitsbedingungen.

Welche Veränderungen besondere Aufmerksamkeit verdienen und was noch kein Beweis für eine Trennungsabsicht ist, erläutere ich im Beitrag:


Sie dürfen zugleich anerkennen, dass Sie gerade verletzt oder verunsichert sind. Dafür müssen Sie noch nicht wissen, ob jemand gezielt gegen Sie handelt. Das eigene Erleben verdient Aufmerksamkeit, auch während die Erklärung dafür offenbleibt.



Wenn Sie Ihre Lage und Ihre Selbstzweifel gemeinsam sortieren möchten

Manchmal sind die äußeren Veränderungen und das innere Urteil so eng miteinander verbunden, dass sich beides allein kaum noch auseinanderhalten lässt. Dann kann das Anker-Gespräch ein passender nächster Schritt sein.

Wir betrachten gemeinsam Ihre konkrete berufliche Situation, Ihren eigenen Anteil und die Fragen, die noch geklärt werden müssen. Daraus entwickeln wir eine Orientierung für die nächsten Schritte und dafür, wo Ihre persönlichen Stopplinien liegen. Sie müssen dafür weder beweisen, dass Ihr Arbeitgeber etwas gegen Sie plant, noch bereits wissen, ob Sie bleiben oder gehen wollen.




Häufige Fragen zu Selbstzweifeln im Job

Bedeutet meine Unsicherheit, dass ich für die Aufgabe ungeeignet bin?

Unsicherheit allein erlaubt dieses Urteil nicht. Prüfen Sie, ob konkrete Anforderungen fehlen, ob Sie etwas lernen müssen oder ob die Zusammenarbeit unklar geworden ist. Erst daraus entsteht eine brauchbare Grundlage, um Ihre Passung zu einer Aufgabe einzuschätzen.


Fragen Sie nach dem konkreten Verhalten oder Ergebnis und danach, was künftig erwartet wird. Eine begrenzte Kritik lässt sich bearbeiten. Ein pauschales Urteil über Ihre Person liefert dafür kaum Orientierung und sollte nicht ungeprüft Ihr eigener Maßstab werden.

Wenn die Belastung anhält, Ihr Schlaf deutlich leidet, Sie sich stark zurückziehen oder Ihren Alltag kaum noch bewältigen können, suchen Sie fachliche Unterstützung. Eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung kann helfen, die Beschwerden und den passenden Unterstützungsbedarf einzuschätzen.




Wann reicht eine solche Selbstklärung nicht mehr aus?

Wenn die Belastung anhält, Ihr Schlaf deutlich leidet, Sie sich stark zurückziehen oder Ihren Alltag kaum noch bewältigen können, suchen Sie fachliche Unterstützung. Eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung kann helfen, die Beschwerden und den passenden Unterstützungsbedarf einzuschätzen.


Herzliche Grüße aus Düsseldorf

Frank Max | Coach für einen klaren Kopf


Über den Autor

Frank Max arbeitet seit 2006 als Coach und ist seit 2010 Heilpraktiker für Psychotherapie. Er begleitet Menschen in belastenden beruflichen und persönlichen Situationen. Im Mittelpunkt stehen ein klarerer Blick auf die eigene Lage, realistische Handlungsmöglichkeiten und Schritte, die sich im Alltag umsetzen lassen.


Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der Information und Sensibilisierung. Er ersetzt keine individuelle psychologische, psychotherapeutische oder medizinische Beratung beziehungsweise Behandlung und keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an entsprechend qualifizierte Fachpersonen.


Quellen und weiterführende Grundlagen

Li, M., Xu, X. und Kwan, H. K. (2021): Consequences of Workplace Ostracism: A Meta-Analytic Review. Frontiers in Psychology, 12, 641302. Grundlage für die vorsichtige Einordnung der Zusammenhänge zwischen wahrgenommener Ausgrenzung und arbeitsbezogenem Selbstwert; kein Nachweis einer Absicht im Einzelfall.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Handbuch Gefährdungsbeurteilung – Arbeitsorganisation. Einordnung von Rollenunklarheit und widersprüchlichen Arbeitsanforderungen. Die Reflexionsfragen und das erfundene Beispiel dieses Artikels sind praktische redaktionelle Anregungen, kein diagnostisches Verfahren.


bottom of page